Diabetes mellitus, Zuckerkrankheit - Arzt-Zentrum-Wittenbach

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Diabetes mellitus, Zuckerkrankheit

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Diabetes Mellitus
Die "Zuckerkrankheit" ist ein Zustand des relativen oder absoluten Insulinmangels. Man unterscheidet den Typ 1 Diabetes vom Typ 2 Diabetes (veraltet: "Alters-Diabetes").

Übersicht
  1. Typ 1
  2. Typ 2
    1. Symptome
    2. Warum reicht das Insulin nicht?
      • Genetik
      • Einfuhrseite
      • Ausfuhrseite / Verbrauch
      • Gewichtszunahme
      • Insulinresistenz
    3. Zusammenfassung
    4. Strategie zur Prophylaxe und Therapie
      • Hauptstrategie
      • Einfuhrseite
      • Ausfuhrseite
      • Medikamente
  3. Komplikationen
1. Typ 1

Durch einen Ausfall der Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) entsteht dieser Typ.
Da man ohne Insulin nicht leben kann, muss beim Typ 1 immer Insulin gegeben werden. Das eigene Immunsystem ist der häufigste Auslöser des Ausfalls der Insulinproduktion. Dieses eigentlich nach aussen gerichtete Abwehrsystem zerstört mit Antikörpern die Insulin produzierenden Zellen.

1.1. Symptome
  • Gewichtsabnahme!
  • Durst
  • Harndrang erhöht
  • Müdigkeit
  • Schwäche
  • Austrocknung
  • Sehstörungen
  • Konzentrationsstörungen
  • Kopfweh
  • Erbrechen
  • Benommenheit
  • Sprechstörungen
  • Verhaltensstörungen (Aggressivität...)
2. Typ 2

Der Typ 2 Diabetes ist eine völlig andere Erkrankung! Oft ist der absolute Insulinspiegel zu Beginn der Erkrankung sogar noch erhöht. Trotzdem reicht das vorhandene körpereigene Insulin nicht mehr, um den Blutzucker in der Norm zu halten. Dazu sollte man versuchen, die Funktion des Insulins zu verstehen. Insulin ist sozusagen der Schlüssel zur "Zucker-Tür" der Zellen. Steckt der Insulinschlüssel im Schloss, öffnet sich die Tür und der Zucker (Glucose) wird aus dem Blut in die Zellen transportiert. Die Glukose - bekannt als Traubenzucker - stammt aus der Nahrung und ist lebensnotwendig für die Zellen.
2.1. Symptome Typ 2 Diabetes
  • Müdigkeit
  • Sehstörungen
  • Schwäche
  • Infektneigung
  • Harnwegsinfekte häufiger
  • Hunger
  • Durst
  • Harndrang gesteigert
2.2. Warum reicht das Insulin nicht?

2.2.1. Genetik:
Stellen Sie sich vor, die oben genannte Zuckertür hat mehrere Schlösser. Dann benötigt man mehr Insulinschlüssel, um die Tür zu öffnen. Das ist genau das Problem dieser genetisch bedingten Variante des Menschen. Sie müssen vom Tag der Geburt an im Vergleich ständig viel mehr Insulin produzieren, weil sonst der Zucker nicht in die Zellen kann. Eine genetische Variation am sogenannten
ppar-Gamma-Schalter bedingt die Anzahl der Schlösser.
Warum gibt es diese Besonderheit? Nun, diese Variante hat im Laufe der Evolution schlichtweg Vorteile beim Überleben schlechter (Nahrungs-) Zeiten gehabt. Individuen mit diesen Genen haben Hungerzeiten besser (oder überhaupt) überstanden. Und das ist fast überall auf der Welt immer noch so. Warum? Heute weiss man, dass Insulin ein starkes Anabolikum ist. Viele Sportler benutzen Anabolika, um Muskeln aufzubauen. Anabolika wirken anabol = aufbauend. Oft werden Muskeln - bei ausreichender körperlicher Betätigung - und/oder Fett bei geringer körperlicher Bewegung aufgebaut. Männer wurden und werden unter diesem natürlichen Anabolikum in Gebieten mit eher weniger industrialisierten Wirtschaften kräftiger, als Männer ohne diese genetische Variante. Und Frauen können bei dieser Konstellation mehr Reserven für ihre Nachkommen anlegen. Sie können besser stillen, fallen seltener aus und haben somit eine grössere Chance, ihre Kinder gross zu ziehen. Die Männer überstanden Auseinandersetzungen (Kriege) besser und konnten zudem mehr Nahrung "heran schaffen"... Insgesamt überleben damit mehr Nachkommen pro Paar.

2.2.2. Einfuhrseite:
Der Insulinbedarf des Körpers ist weiterhin abhängig von der
Zusammensetzung der Nahrung und deren Menge. Dabei spielt nicht nur die Süsse der Speisen eine Rolle. Die gebräuchlichen Zucker gehören zur Nährstoffgruppe der Kohlenhydrate. Von dieser Gruppe gibt es in verschiedenen Varianten:
A) Einfache Kohlenhydrate: Verschiedene Zucker - zu erkennen am süssen Geschmack.
B) Komplexe Kohlenhydrate: Bestehen zwar eigentlich auch aus Zucker, sind aber nicht süss. Sie können sich diese vorstellen wie eine Perlenkette aus Zuckerbausteinen mit tausenden Perlen (=Speicherform des Zuckers). Daraus wird mit Hilfe ihrer eigenen Enzyme, die sie sich wie "Scheren" vorstellen können wiederum Zucker indem diese Scheren Perle (Zucker) um Perle von der Kette abtrennen. Kohlenhydrate finden sich in Form von Mehl, Stärke, Schrot, Griess...Sie stammen aus den Speichern der Pflanzen: Getreide, Kartoffeln, Bananen usw.  Mit anderen Worten: Essen Sie Brot, Teigwaren aller Art, Nudeln, Reis, Klösse, Kartoffeln..., dann essen Sie fast reinen
Zucker - nur in Speicherform.

2.2.3. Ausfuhrseite (Verbrauch):
Gerade in den Gebieten mit den reichhaltigsten Nahrungsangeboten ist der Verbrauch an Energie am geringsten. Zucker ist
der Energielieferant. Es wird bei geringerer körperlicher Betätigung zudem weniger Zucker "verbrannt".

2.2.4. Gewichtszunahme:
Mehr Nahrung trifft auf eine anabole (aufbauende) Stoffwechsellage und einen geringeren Verbrauch. Überschüssige Energie speichert unser Körper in Fettdepots. Das führt zu mehr Gewicht. Mehr Gewicht benötigt mehr Insulin.

2.2.5. Insulinresistenz:
Die Forschung hat gezeigt, dass Insulin bei Personen mit der Veranlagung zum Typ 2 Diabetes mit den Jahren an Wirkung verliert. Man spricht von der "Insulinresistenz".

Man weiss, dass Sport die Wirkung des Insulins steigert. Das ist dreifach gut: Die Verbrennung von Zucker steigt, die Wirkung des Insulins nimmt zu und das Gewicht sinkt.
2.3. Zusammenfassung

Insgesamt handelt es sich um eine Reihe von Ursache-Wirkungs-Beziehungen:
Veranlagung trifft auf reichlich Nahrung und weniger Bewegung. Statt Muskeln werden Fettreserven aufgebaut, die jedoch nicht auf Notzeiten treffen. Das Gewicht nimmt zu. Die Bewegung nimmt weiter ab. Der Körper entwickelt eine Insulinresistenz, was den Bedarf an Insulin steigert. Insulin wirkt anabol. Das steigert wiederum das Gewicht...
Das alles läuft "gut", bis es die Bauchspeicheldrüse nicht mehr schafft, die hohen Mengen an Insulin zu produzieren. Dann kann der Zucker aus dem Blut nicht mehr so rasch in die Zellen abtransportiert werden. Das heisst der Blutzucker steigt. Was zunächst nur nach den Mahlzeiten langsam beginnt, wird durch den oben beschriebenen Teufelskreis immer mehr. Die Inselzellen, die ja das Insulin herstellen, verhalten sich wie
kleine"Insulin produzierende Motoren". Diese werden im realen Leben der Zivilisation durch die "moderne Ernährung" wie Formel-1-Motoren belastet! Unter diesen realen Vollgas-Bedingungen stottern die "Insulinmotörchen" nach Jahren dann zunächst und fallen schliesslich nacheinander aus.

Wenn der Arzt Ihnen mitteilt, dass Sie beginnender Diabetiker sind bzw. eine sogenannte Glukose-Toleranz-Störung vorliegt, sind in der Regel 800 von 1000 Insulin produzierenden Zellen (Inselzellen) schon tot.
2.4. Strategien der Prophylaxe und Therapie

Hauptstrategie:
Erspare dem Körper soviel wie möglich an Insulinproduktion! Das heisst:
  • Spare an Kohlenhydraten! (Einfuhrseite)
  • Steigere die Insulinempfindlichkeit (Sport)!
  • Steigere den Zuckerabbau (Sport)! (Ausfuhrseite)
  • Benutze ggf. Medikamente, die dem Körper dabei helfen.

Einfuhrseite:

Beschäftigen Sie sich bitte mit der neuen Nahrungspyramide. Diese wurde von Forschern der Harvard University entwickelt. Diese bezeichnet man als "Logi-Diät". Sie beruht hauptsächlich auf der Reduktion an Kohlenhydraten. Lassen Sie sich überraschen. Fast sämtliche Diätregeln werden dabei über den Haufen geworfen!

Ausfuhrseite:

Die Ausfuhr wird massgeblich durch Ihre körperlichen und geistigen Anstrengungen bestimmt: Denken und Sport verbrauchen Zucker. Zudem steigert Sport die Wirkung von Insulin. Damit benötigen Sie weniger Insulin - was der Hauptstrategie entspricht.

Medikamente (ohne Insulin):

Forscher empfehlen heute eine Frühtherapie. Da der Diabetes auf einer Vielzahl von Mechanismen beruht,  sollen die multiplen Defekte auch angegangen werden. Dazu seien eben auch multiple Therapien notwendig (Prof. Dr. Ralph DeFronzo), um dem weiteren Fortschreiten des Betazellversagens (die Insulin produzierenden Inselzellen) Einhalt zu gebieten.

Am erfolgreichsten sind die folgenden drei Gruppen an Medikamenten:
  • Metformin: reduziert die Insulinresistenz, hat anti-aterogene Effekte (Schutz vor Verkalkung der Blutgefässe) (Handelsname: Metfin®, Glucophage®, Metformin...) Einziges in den USA seit Jahren zugelassenes Medikament zum Abnehmen. Sehr gut untersucht, weil lange auf dem Markt.
  • Inkretine: reduzieren das Gewicht und schützen die Betazellen. (Handelsnamen: 1. Gliptine in Tablettenform: Januvia®, Galvus®, Onglyza® 2. GLP-1-Analoga in Spritzenform: Byetta®, Victoza®)
  • SGLT2-Inhibitoren: Damit scheidet der behandelte Diabetiker je nach Dosierung bis zu 100 Gramm reinen Zucker pro Tag aus!! (Handelsnamen: Jardiance®, und weitere)

Diese drei Medikamentengruppen lösen praktisch keine Unterzuckerungen aus. Eine Kombination dieser Wirkstoffe mit niedriger jeweiliger Wirkstoffmenge ist erfolgreicher als die Gabe hochdosierter Einzelwirkstoffe. (Handelsnamen: Galvumed®, und weitere)


Die Wirkung der nächsten Gruppe ist eher gering, ist aber als Mittel zu Ergänzung der obigen beiden Gruppen geeignet.
Alpha-Glucosidase-Hemmer: hemmen die Enzyme, die die komplexen Kohlenhydrate im Darm abbauen. Das führt zu einer geringeren Glukoseaufnahme aber auch zu Blähungen und Völlegefühl. (Handelsnamen: Glucobay®, Diastabol®)


Eher nicht geeignet sind die folgenden Stoffgruppen. Diese Stoffe erzeugen häufig eine Hypoglykämie = Unterzuckerung und führen zu
Gewichtszunahmen. Ausserdem treten sie sozusagen aufs Gaspedal des Insulinmotors und schädigen damit die Betazellen. Letztlich muss dann schneller als mit obigen Medikamenten auf Insulin umgestellt werden:
  • Sulfonylharnstoffe. (Handelsnamen: Diamicron®, Amaryl®, Daonil®, Glibinese®, Glutril®)
  • Sulfonylharnstoff-Analoga. (Handelsnamen: NovoNorm®, Starlix®)
3. Komplikationen des Diabetes mellitus Typ 1 und 2

  • Verminderung bis Verlust des Sehens
  • Nierenschädigung bis Nierenversagen (--> Dialyse)
  • Schlaganfall
  • Nervenschädigung (--> Taubheitsgefühle besonders in Füssen, Herzrhythmusstörungen, Verdauungsstörungen, Erektionsstörung, Inkontinenz...)
  • Herzinfarkt
  • Schädigung grosser und kleiner Blutgefässe (--> Durchblutungsstörungen [Gehirn, Herz, Beine, Penis...] --> Schaufensterkrankheit, Erektionsstörung, Herzkrankheit...)
  • Diabetischer Fuss (--> schlecht heilende und oft infizierte Wunden, Amputationen: Zehen, Fuss)
  • Demenz (besonders nach häufigen Unterzuckerungen [drei Unterzuckerungen steigern das Risiko bereits auf 200% ! ])
  • Minderung der Lebenserwartung

In der Schweiz verliert ein Diabetiker immer noch durchschnittlich ca. 13 Jahre seines Lebens!

Achtung!
Aber nicht den Kopf hängen lassen - handeln!
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